25-Jahre Dialyse


Das ist meine Dankesrede, anläßlich einer Feierstunde:

Vielen Dank für diese Ehrung, die ich gerne annehme und dazu einpaar Worte sagen möchte:
Ich bin nun 25 Jahre an der Hämodialyse. Gestern Abend habe ich mir einmal die Mühe gemacht und ausgerechnet, wieviel Stunden am Stück, ich an der Maschine verbracht habe:
Das sind 23400 Stunden oder 975 Tage und Nächte oder etwas mehr als 2 1/2 Jahre ununterbrochen Dialyse.

Ich frage mich, was hätte ich wohl in dieser Zeit gemacht, wenn ich nicht abends dialysieren würde?
Nun, ich hätte wahrscheinlich 2 1/2 Jahre meines Lebens verschlafen ! Also, so gesehen, ist die Dialyse auch etwas positives in meinem Leben.

"Wie schaffst Du das" wurde ich neulich gefragt, Du machst Dialyse und gehst noch arbeiten !"
Nun, es ist natürlich nicht immer leicht. Aber zum Glück vergisst man schneller die Zeit, die nicht so toll war, als die schönen Augenblicke im Leben.
Und man braucht den Partner, der dich versteht, der deine Behinderung akzeptiert und dem du nicht leid tust.
Der dich nicht als Kranker sieht und mit dem du auch schwere Stunden teilst; der dir Hoffnung gibt, deine Ängste mit ihm teilen kannst und zu dem du Vertrauen haben kannst.
Man braucht ebenfalls Freunde, die dich mit deiner Behinde- rung akzeptieren und dich nicht bemitleiden. Daraus schöpfe ich die Kraft und der Wille das machen zu können, was ein Gesunder Mensch auch kann.

Ebenfalls braucht man die optimale medizinische Betreuung der Ärzte und des Pflegepersonals.

Meine Lebensphilosophie ist: " Du bist zwar behindert und hast einpaar Einschränkungen in deinem Leben, aber du bist nicht krank!
Lebe jeden Tag das Leben mit deinem Partner, den Freunden und den Menschen, die dir nahe stehen und verschließe dich nicht vor Schwierigkeiten, die das Leben für jeden von uns - ob krank oder gesund - mit sich bringt.
Jede Situation, die man meistert, macht das Leben interessanter und lebenswerter und gibt einem die Kraft, die nächste Prüfung zu bestehen.
Man muss für die nahe Zukunft Ziele stecken, sei es ein be- vorstehender Urlaub, eine Anschaffung, eine Feier (denn Feste soll man feiern wie sie fallen) oder einen Besuch bei Freunden.
Man darf sich nicht in die eigenen 4 Wände einschließen, sondern sich Anrrangieren und sich Ablenken durch Beruf, Hobbies oder wie hier, einige von meinen Kollegen in der IG Mainz, durch die Vereinsarbeit.

Ich bedanke mich vor allem bei meiner Frau, die 20 Jahre mit mir durch dick und dünn geht, bei meinen Eltern und Schwiegereltern, bei meinen Freunden, bei den Ärzten und Schwestern und allen, die mir mit Rat und Tat beiseide stehen und das Beste für mich wollen.

Vielen Dank!